5 Dinge, die ich über Expeditions-Planung gelernt habe …

In den letzten Wochen ist es ein bisschen ruhig gewesen hier auf dem Addventures Blog, aber aus gutem Grunde. Jedes Mal, dass ich schreiben wollte, um Euch auf den aktuellsten Stand zu bringen, mussten wir aus verschiedenen Gründen die Pläne ändern und wieder umplanen. Wenn man so eine außergewöhnliche Reise plant, die tausende von Kilometern umfasst und zehn verschiedene Länder durchquert, das eigene Wasserverkehrsmittel baut und das alles finanziert, gibt es zig verschiedene Einflussfaktoren auf die Expedition. Die Hürden sind vielseitig: Von bürokratisch (Wasserschifffahrtsamt) über finanziell bis zeitlich (schwimmende Konstruktionen und gebrauchte Materialien recherchieren). Wenn man dann noch einen Vollzeit-Job hat und zwischendrin Mini-Abenteuer unternimmt, wird es mit den Ressourcen knapp.

Um Euch zu zeigen, dass wir noch aktiv an der Planung unserer Expedition arbeiten, sind hier die fünf wichtigsten Sachen, die ich bisher dabei gelernt habe:

Marine boot neuruppin kapitän

 

1. Einen bilingualen Blog und verschiedene Twitter-Konten aufbauen und betreiben

Nein, mit diesen Fähigkeiten werde ich in der Wildnis wahrscheinlich nicht überleben können. Aber es macht mir Spaß und da sich meine jungen Social Media-Kompetenzen nur verbessern können, werden sie sich immer mehr lohnen. Wir wollen unsere Abenteuer mit vielen anderen Menschen teilen. Es geht nicht nur um Aufmerksamkeit dafür, sondern auch darum mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen und voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu inspirieren und zu netzwerken. Da wir uns noch einige andere spannende Abenteuer vorgenommen haben, lohnt es sich nachhaltig den Kontakt zum Netzwerk, zu Interessierten und zu Unterstützern aufzubauen. Dafür bringe ich mir immer mehr Social Media Skills bei. Mitterweile kenne ich mich ganz gut mit WordPress aus, bin Administrator für zwei Facebook-Seiten (hier und hier) und nutze Hootsuite um zwei Twitter-Konten (Addventures und mein berufliches) zu verwalten. Bald schreibe ich meinen eigenen Quellcode … ; )

2. Sich an Regeln zu halten, kann ein teures Spiel werden

Ja, die gute alte deutsche Bürokratie – es gibt ganz schön viele Regeln was man alles darf auf dem Wasser und was nicht. Da ein Floß in der Regel länger als 6 Meter ist, gilt es als Boot und d.h. man kann sich nicht einfach treiben lassen. Man braucht einen Motor, eine gewisse Freibordhöhe (Abstand zwischen Plattform und Wasseroberfläche), einen robusten Unterbau, Rettungsringe, Lichter, einen Anker und noch viel mehr (und natürlich alle Vorschriften auf schönem Juristendeutsch geschrieben!). Wenn man das alles gesammelt hat, muss man beim Wasserschifffahrtsamt eine Sondergenehmigung für das einmalige Befahren der Donau beantragen. Dafür sollten noch einmal 4 – 6 Wochen eingerechnet werden, bevor es endlich „Leinen los“ heißt.

Büromaterial Stempel Bürokratie
Spaß mit Stempeln!

 

Man kann also nicht einfach ein paar alten Tonnen zusammenbinden und draufspringen, selbst wenn man es wollte. Irgendwann wird man vom Fluss gefischt, so wie diese Gruppe hier. Leider lieben nicht nur die deutschen ihren Vorschriften und Ämter, alle Donauländer haben ähnliche Richtlinien und manche sind sogar noch strenger!

Da wir ja auch lieber legal auf als im Wasser unterwegs sein möchten, brauchen wir eine Zulassung. Für diese benötigt man einen stabilen Unterbau mit Schwimmern und Rahmen und für diese Konstruktion wiederum benötigt man gar nicht so wenig Geld.

Bei rasant in die Höhe schießenden Kosten, schauen wir uns nach Alternativen wie verschiedenen Bootarten, Ausstellungsstücken, Weiterverkauf, Crowdfunding und Sponsoring um. Man kann manche Motorboote inkl. Außenborder, Trailer und Zulassung deutlich preiswerter kaufen als die meisten Flöße auf dem Markt.

Die verschiedenen Boot- und Tourvarianten unterscheiden sich in Bezug auf Größe, Kosten, Dauer,  Geschwindigkeit, Abenteuer-Faktor, Coolness-Faktor, Reparaturbedarf und benötigten Schutzengel-Beistand. Wir wägen alle Einflussfaktoren ab und werden eine spannende und funktionierende Lösung finden. Wir sind auch auf weitere Vorschläge gespannt!

3. Man kann mit dem Tretboot nach Istanbul fahren

Ja genau, diese Jungs haben es geschafft! Und 24 wunderschöne Stunden lang haben wir es uns auch überlegt. Wir haben versucht mit den zwei Helden übers Internet in Kontakt zu kommen, sind aber nicht fündig geworden. Hat irgendwer mehr Information zu Jan Auth und Ludwig Klasen als wir? Man kann Tretboote ziemlich günstig bei eBay erwerben. Während wir diese Exemplare durchgeblättert und in Kindheitserinnerungen geschwelgt haben, ist uns aufgefallen, dass wir inzwischen etwas größer sind. Realistisch betrachtet, kann man bei dem knappen Platz nur zu zweit länger mit einem Tretboot unterwegs sein und wir wollen gerne eine Expedition mit alten und neuen Freunden. Also zurück zur Planung mit größerem Boot, Floß … oder eigentlich doch Tretboot?!

4. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist

Was an einem Tag nach einem ganz sicheren Plan ausschaut, kann man am nächsten Tag komplett umschreiben. So lautet meine Lebensphilosophie sowieso seit einigen Jahren, aber in den letzten Monaten hat es sich wieder besonders bestätigt. Pläne ändern sich. Und das ist gut so. Wir haben die Flexibilität um damit umzugehen. Es wäre schön, wenn manche Vorbereitungen schon konkreter wären. Aber solange wir uns unserem Traum nähern, sind wir zufrieden. Unser Ziel mit alten und neuen Freunden eine abenteuerliche Flusstour zu machen bleibt. Auch und gerade wenn wir dieses Ziel anders erreichen als ursprünglich gedacht.

5. Ein Teil der Donau heißt “Das Eiserne Tor“ und sieht tatsächlich aus wie aus Herr der Ringe!

 

Eisernes Tor Durchbruchstal Donau
Das Eiserne Tor an der Donau – Bild von Darko Veselinović

 

Schaut Euch das einfach mal an! Einer der VIELEN Gründe warum ich mich so riesig auf die Donau freue. Man braucht nicht nach Neuseeland oder ins Auenland zu reisen um ein Herr der Ringe- Gefühl zu erleben.

 

Felsskulptur könig bildhauer
Statue des Dakerkönigs Decebalus

 

Wir sind also mit der Expeditionsplanung sehr beschäftigt, recherchieren fleißig die verschiedenen Möglichkeiten und sind als Freiberufler flexibel genug um spontan zu starten, sobald wir die richtige Lösung gefunden haben.

Manchmal ist alles ein bisschen überwältigend und unbekannt, aber es ist gleichzeitig auch herausfordernd und aufregend. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie viel ich in den nächsten Monaten lernen und erleben werde!